17.11.2020

Zwei Meldungen an einem Tag:

  1. Das weltgrößte Handelsabkommen heißt nun RCEP: 15 asiatische Staaten haben eine neue Freihandelszone geschaffen.
  2. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) – Deutsche Medizintechnik in Südostasien – ein Markt mit Zukunft

1.

Freihandel ist eine gute Sache. Das beste Beispiel dafür ist der europäische Binnenmarkt mit einheitlichen Zulassungen für Medizinprodukte. Auch wenn der britische Premierminister das mit der EU anders sieht. Leider hat der amerikanische Präsident Trump mit seiner „America first“-Politik die Verhandlungen seines Vorgängers Obama mit der ASEAN-Gruppe ohne China gestoppt, was China dankend angenommen hat.

15 Staaten, von Australien über China, Japan und Südkorea bis Vietnam, haben sich am Sonntag auf das größte Handelsabkommen in der Geschichte des asiatisch-pazifischen Raums geeinigt. 2,2 Milliarden Menschen leben in dem neuen Handelsblock. Sie produzieren mehr als 30 Prozent der Weltwirtschaftsleistung – und hatten vor der Coronakrise einen Anteil von 29 Prozent am globalen Handelsvolumen.

Nun ist sie da, die große asiatische Freihandelszone unter Führung von China. Wie stark solche Abkommen die Wirtschaft der Mitgliedsländer puschen können, konnte 2016 ich bei einer Delegationsreise nach Mexiko erfahren. Mexiko war damals bereits Mitglied in vielen Freihandelsabkommen und deshalb boomender Hersteller u.a. für deutsche Automobilhersteller für den nord- und südamerikanischen Markt, nicht nur für die USA.

Trotzdem hat deutsche Medizintechnik nicht nur in China, sondern in ganz Asien gute Chancen.

2.

Besonderes Potenzial gibt es in den zehn Ländern der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN). Dies geht aus den Ergebnissen einer Gemeinschaftsstudie hervor, durchgeführt von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), Germany Trade and Invest (GTAI), der GHA – German Health Alliance (GHA) und dem Industrieverband Spectaris. In der Studie wurde der Markt für Medizintechnik in den ASEAN-Ländern untersucht (Link).

Hintergrund für die deutlich gestiegene Nachfrage nach deutscher Medizintechnik in der ASEAN-Region ist nicht nur das starke Wirtschaftswachstum dort, sondern auch die wachsende Bevölkerung. Dabei machen ältere Menschen wie in vielen anderen Teilen der Welt einen immer größeren Anteil der Gesellschaft aus. Altersbedingte Erkrankungen nehmen daher auch im ASEAN-Raum zu. Hinzu kommen immer mehr Herz- und Kreislauferkrankungen durch veränderte Lebensgewohnheiten der wachsenden Mittelschicht.

So sind seit 2010 die Exporte deutscher Medizintechnik in die ASEAN-Staaten um 85,3% gestiegen, während Export in alle Länder in dem Zeitraum „nur“ um 37.8% gewachsen ist.



Natürlich bleiben die USA mit einem Anteil von 39% am Weltmarkt für Medizintechnik der wichtigste Exportmarkt. Aber man sollte Asien mit einem Anteil von immerhin schon 26% als Wachstumsmarkt nicht vernachlässigen.

Mehr dazu im Seminar Export- und Distributorenmanagement.